Fairer Handel

Hier geht es zu einigen grundlegenden Informationen zum Fairen Handel. 

Nachhaltigkeit im Handel

Warum gibt es überhaupt „Fairen Handel“ und was bedeutet Fairer Handel überhaupt?

Trotz umfangreicher internationaler Verträge, die Deutschland und viele weitere Länder in den letzten Jahrzehnten geschlossen haben, sind selbst niedrigste Mindestarbeitsnormen, Arbeitsschutzregeln und die Gewerkschaftsfreiheit in vielen Ländern, aus denen Waren importiert werden, immer noch nicht garantiert und werden auch heute nicht explizit von Handelspartnern erwartet.

Wir können als Käufer, öffentlicher Beschaffer oder auch Nutzer einem gekauften oder beschafften Produkt meist nicht ansehen, unter welchen Bedingungen dieses  hergestellt wurde:
Viele Produkte unseres täglichen Gebrauchs  werden häufig unter fragwürdigsten Bedingungen, zum Teil unter ausbeuterischer Kinderarbeit, Sklaverei oder sklavereiähnlichen Bedingungen[1] hergestellt. Dazu zählen unsere Kleidung (auch Berufs- und Sportkleidung), weitere Textilien, Lederwaren und Fußbälle, unsere Handys und Computer, Teppiche und Natursteine (Küchen und Terrassenplatten, Pflaster- und Grabsteine), etliche Genussmittel (z.B. Schokolade, Tee, Kaffee), u.v.m. Trotz einer Internationalisierung der Warenströme ist festzustellen, dass heute trotz härtester Arbeit weltweit über 2 Milliarden Menschen mit weniger als 2 Dollar am Tag auskommen müssen.

Es gibt zwar Regelungen, die die Arbeitsbedingungen in Deutschland und vielen Ländern Europas kontrollieren. Diese greifen jedoch in der Regel gar nicht für importierte Grundlebensmittel, Industriewaren bzw. Vorprodukte, die außerhalb Europas hergestellt werden und dann nach Deutschland importiert werden.

Der Gebäudeeinsturz in Sabhar in Bangladesch im April 2013, bei dem 1127 Menschen getötet wurden, verdeutlicht, dass in den Zulieferketten selbst niedrigste Arbeitsnormen nicht eingehalten werden und Unternehmen sich beharrlich verweigern -  selbst  unter öffentlichen Druck - Verantwortung für die Aktivitäten ihrer Lieferanten zu übernehmen.

Fairer Handel, „Fairtrade“ oder „Fair Trade“ ist eine Antwort der Gesellschaft auf diese fehlenden fairen Regeln im konventionellen Handel sowie auf das Misslingen bzw. Versagen eines fairen Umgangs mit Handelspartnern. Armutsbekämpfung in Deutschland z.B. durch Einführung eines Mindestlohns und Armutsbekämpfung global durch fairen Handel sehen wir als zwei Seiten derselben Medaille, sie hängen zusammen.

 

[1] Vgl. Saarbündnis gegen Moderne Sklaverei Heute, http://www.sklavenlos.de/globale-sklaverei-heute/index.html, Download vom 1.1.2015

 

Was ist Fairer Handel genau?

Um den Begriff „Fairer Handel“ zu konkretisieren, haben sich verschiedene internationale Fairhandelsorganisationen 2009 auf eine einheitliche Definition des Fairen Handels geeinigt:

„Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt.

Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für

benachteiligte ProduzentInnen und ArbeiterInnen – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.

Fair-Handels-Organisationen engagieren sich (gemeinsam mit VerbraucherInnen) für die Unterstützung der ProduzentInnen, die Bewusstseinsbildung sowie die Kampagnenarbeit zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels.“

(Definition der internationalen Dachorganisationen des Fairen Handels: World Fair Trade Organisation, Fairtrade Labelling Organisation International e.V.)

Damit die Glaubwürdigkeit des Fairen Handels sicher gestellt ist, haben länderübergreifend Akteure des Fairen Handels  wie z.B. die Fairtrade Labelling Organisation (FLO) und die World Fair Trade Organisation konkrete Standards und Kontrollmechanismen entwickelt.

So gibt es für immer mehr Lebensmittel und Produkte allgemeine Standards für Handelspartner im Süden. Für Kleinproduzenten und lohnabhängige Arbeiter in Plantagen und Fabriken gelten so „faire“ Standards, welche die

  • Arbeitsbedingungen
  • Soziale Entwicklung
  • Wirtschaftliche Entwicklung und
  • Umweltentwicklung

berücksichtigen.

Gleichzeitig gelten Standards für die Händler:

Sie umfassen in der Regel

  • die Zahlung eines fairen Preises
  • die Zahlung eines Mehrpreises für Entwicklungsmaßnahmen
  • bei Bio-Produkten die Zahlung eines Bio-Aufpreises
  • die Bereitstellung von Vorfinanzierungsmöglichkeiten
  • langfristige Handelsbeziehungen

Am Bekanntesten ist der FLO-Standard für Produkte, die das Fairtrade-Siegel tragen: Sie werden international von FLO (Fairtrade Labelling Organizations International) festgelegt und im Rahmen einer Zertifizierung überprüft.

Zusätzlich zu den Siegeln und Gütezeichen für Fairen Handel gibt es Zertifizierungssiegel für mehrere Produktgruppen, wie z.B. Bekleidung und Steine (z.B. Xertifix für Natursteine), die die Einhaltung international gültiger ILO-Kernarbeitsnormen sicherstellen. So wird beispielsweise garantiert, dass ausbeuterische Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit im Herstellungsprozess ausgeschlossen werden können.

Die Vielzahl der Siegel macht es den VerbraucherInnen bzw. EinkäuferInnen leider nicht einfach, ernst zu nehmende und reine Marketingsiegel zu erkennen. Eine Festlegung von (Mindest)Standards für Produkte,, wie es der Entwicklungs­hilfeminister z.B. für Textilien einführen möchte, könnte hier die Transparenz verbessern und damit die Macht der KonsumentInnen durch bewusstes Einkaufen stärken.